04.05.2026
Zugewanderte Fachkräfte in Deutschland.
Wo sie wirklich leben
Zugewanderte Fachkräfte sind in Deutschland extrem ungleich verteilt. In Bayern, den Stadtstaaten und Hessen stellen sie bis zu 21 Prozent der qualifizierten Erwerbsbevölkerung. In ostdeutschen Flächenländern ist der Anteil drastisch geringer. Für Unternehmen die auf internationale Talente setzen, hat das direkte Konsequenzen.

21 %
Anteil zugewanderter Fachkräfte in Stadtstaaten, Bayern und Hessen
6,25 Mio.
zugewanderte Personen mit Ausbildungs- oder Studienabschluss in Deutschland (2024)
17,6 %
Anteil zugewanderter Fachkräfte an allen qualifizierten Beschäftigten
Deutlich geringer
Anteil in ostdeutschen Flächenländern im Vergleich zum Bundesdurchschnitt
Was der IW Kurzbericht
vom 24. April 2026 zeigt
IW-Ökonom Wido Geis-Thöne hat im neuen Kurzbericht Nr. 30 des Instituts der deutschen Wirtschaft die regionale Verteilung zugewanderter Fachkräfte in Deutschland analysiert.
Das Ergebnis ist eindeutig: Qualifizierte Zugewanderte konzentrieren sich stark in bestimmten Regionen und fehlen in anderen fast vollständig.
In Berlin machen zugewanderte Fachkräfte 27,1 Prozent der qualifizierten Bevölkerung im Kernerwerbsalter aus — der höchste Wert bundesweit. Bremen folgt mit 24,7 Prozent, Hamburg mit 24 Prozent. In Bayern, Hessen und Baden-Württemberg liegen die Anteile zwischen 16 und 21 Prozent. In ostdeutschen Flächenländern ist der Anteil laut IW deutlich geringer.
Insgesamt lebten 2024 rund 6,25 Millionen zugewanderte Personen mit Berufsausbildung oder Hochschulabschluss in Deutschland — das entspricht 17,6 Prozent aller qualifizierten Beschäftigten. Ein erheblicher und wachsender Beitrag zur Fachkräftebasis.
Warum diese Verteilung für
Tech-Unternehmen wichtig ist
Für Unternehmen die auf internationale Fachkräfte setzen, sei es bei der Direktansprache, der Besetzung von Vakanzen oder der strategischen Personalplanung, hat die regionale Konzentration direkte Konsequenzen. Der Kandidatenpool für zugewanderte Tech-Spezialisten ist in München, Berlin, Frankfurt und Hamburg deutlich tiefer als in ostdeutschen Standorten oder ländlichen Regionen Westdeutschlands.
Standortwahl beeinflusst Recruiting-Chancen
Unternehmen in Regionen mit niedrigem Zuwanderungsanteil haben strukturell schlechtere Chancen internationale Fachkräfte zu gewinnen nicht weil die Profile nicht existieren, sondern weil Zugewanderte bevorzugt in urbane Ballungszentren ziehen. Die IW-Studie macht deutlich: Willkommenskultur und Attraktivität des Lebensumfelds entscheiden darüber ob Fachkräfte aus dem Ausland kommen und bleiben.
Integration entscheidet über langfristige Verfügbarkeit
Geis-Thöne betont einen wichtigen Punkt: Eine stärkere Zuwanderung von Fachkräften nützt wenig wenn diese nach kurzer Zeit das Land wieder verlassen. Unternehmen die aktiv in Integration investieren durch Sprachkurse, Onboarding-Programme, soziale Einbindung sichern sich Fachkräfte die bleiben. Das ist kein HR-Luxus, sondern Kapazitätssicherung.
Ostdeutsche KMU brauchen andere Strategien
Für mittelständische Unternehmen in ostdeutschen Bundesländern bedeutet die geringe Präsenz zugewanderter Fachkräfte: Der internationale Kandidatenpool ist vor Ort deutlich kleiner. Gezielte überregionale oder internationale Direktansprache kombiniert mit attraktiven Relocation-Angeboten ist hier kein optionaler Baustein sondern Voraussetzung für erfolgreiche Besetzungen.
Fazit: Regionale Realität
als Recruiting-Grundlage
Die IW-Studie vom 24. April 2026 liefert eine nüchterne Bestandsaufnahme: Zugewanderte Fachkräfte sind eine wichtige und wachsende Säule des deutschen Arbeitsmarkts, aber ihre Verteilung ist alles andere als gleichmäßig. Unternehmen die das ignorieren, planen an der Realität vorbei. Wer seine Recruiting-Strategie auf die tatsächliche regionale Verfügbarkeit ausrichtet, handelt mit dem Markt, nicht gegen ihn.
Quellenangabe
Geis-Thöne, Wido (2026): Zugewanderte Fachkräfte leben oft in den Stadtstaaten und im Süden. IW Kurzbericht Nr. 30, Institut der deutschen Wirtschaft (IW Köln), 24. April 2026. → iwkoeln.de
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